Category Archives: Kunst u. Kultur

Politiker und Journalisten, nicht immer sind sie gut aufeinander zu sprechen.

Die Kriegserklärung unseres Bundespräsidenten a.D. Wulff an Helmut Kohls Trauzeugen und Bild-Chefredakteur Diekmann hat sich als politischer Selbstmord erwiesen. Ein kurzer Moment fehlender Contenance und sein tragisches Ende.

Doch die Medien sind an allem Schuld, das hört man öfter. SPD-Kanzlerkanditat „Steinbrück schimpft die Medien“ titelt SZ Online. Er kritisiert die Rolle der Medien während seines Wahlkampfes und vergisst nicht

‹‹”dass zwei Zeitungen mich drei Wochen vor der Wahl in die Nähe der Stasi und des KGB ziehen wollten.“ [E]s gebe hierzulande einen Journalismus, “der im Wettbewerb um Klicks, Quote und Auflage banalisiert, alles personalisiert und vieles skandalisiert”, sagte er.›› (Klasen. In: SZ Online. 20.11.13)

Ein typischer Fall von Media Malaise:

“… In the world of competition today the news channels only search for sensational news like scandal, conflict, drama to attract the audience. They do not give a fair coverage to the existing stories as a fresh and bigger story is searched. As world wide news is covered there is an instant process of the delivering news and a break through and constant facts are given barely explaining the details which creates a state of confusion. This has a definite negative effect on politics and politicians…”

Journalisten müssen wohl ziemlich oft herhalten wenn Politikern die Berichterstattung nicht gefällt. Gut, in anderen Ländern mag es zwar keine kritische Berichterstattung geben. Diese Staaten rühmen sich auch nicht demokratischer Grundsätze, mit Presse- und Meinungsfreiheit an vorderster Stelle.

Am Mittwoch wird berichtet, der Australische Premierminister Abbott werfe dem staatlichen Rundfunk unpatriotisches Verhalten vor. Der Sender ABC stehe mit der kritischen Berichterstattung über die Asylpolitik seiner konservativen Regierung nicht auf der Seite des Volkes. ABC “könnte ruhig ein gewisses Maß an Unterstützung für die Heimmannschaft zeigen” zitiert ihn Spiegel Online.

Einen Tag zuvor hat der US-Republikaner Michael G. Grimm nach Obamas Rede zur Lage der Nation einen verbalen Fauxpas geleistet. Im Kapitol hat der Politiker ungewöhnlich bissige Drohungen gegen einen Journalisten ausgesprochen, so die NYT. Grimm, zuerst durch Unterstützung der Tea Party gewählt, wurde vom Reporter zu Vorwürfen bzgl. seiner Fund-Raising Kampagne im Wahlkampf konfrontiert. Auf eine offizielle Untersuchung in diesem Fall angesprochen geriet der Republikaner in Rage. Dumm für ihn dass seine Drohungen nach der Interview-Sequenz im Kapitol mit aufgenommen worden sind. Sie fanden daraufhin schnell ihren Weg ins Internet. Nach vulgären Beschimpfungen, der Warnung dass er den Journalisten Scotto wohl vom Balkon werfen würde, sagte er schließlich:

‹‹ „No, no, you´re not man enough, you´re not man enough. I´ll break you in half. Like a boy.” ›› (Wheaton+Santora. In: NYT. 29.01.14)

Die Geschichte ging wie ein Lauffeuer von der Netzgemeinde zu den Fernsehzuschauern. Der zornige Politiker musste sich daraufhin entschuldigen. Seine Worte seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen. Er sei davon ausgegangen dass das Gespräch im Off sei. Er erwarte ein gewisses Maß an Professionalität und Respekt, vor allem wenn er dem Journalisten mit seinem außerplanmäßigen Interview einen Gefallen tue. Er sei sicher nicht der erste und letzte Kongressabgeordnete, der im Off spreche. Später nach reichlicher Kritik musste er eingestehen dass er seine Emotionen besser im Griff gehabt haben sollte und lud den betroffenen Mr. Scotto zum Mittagessen ein. Dieser hatte schon einige landesweite TV-Auftritte hinter sich. Sein Chef vom Politik-Ressort Bob Hardt meint allerdings dass es nicht die erste Konfrontation des Abgeordneten mit einem Journalisten gewesen sei. (vgl. Wheaton+Santora. In: NYT. 29.01.14) Immerhin gibt es eine öffentliche Debatte darüber, woanders verschwinden die Journalisten einfach und tauchen nicht mehr auf.

Interessante Links hierzu:

Occupy Neues Theater!

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Über die Sparpläne der Stadt Halle und ihre Reaktion ist bereits berichtet worden.

“Vom 10.12.2013 ab 11.55 Uhr (5vor12) bis zum 12.12.2013, 11.55 Uhr (5vor12) öffnet die Kulturinsel Halle das gesamte Haus für das Publikum und interessierte Bürgerinnen und Bürger und bietet 48 Stunden lang Theater! Hintergrund dieser ungewöhnlichen Aktion sind die geplanten Kürzungen der Landesregierung Sachsen-Anhalts im Bereich der Theater Halle, Dessau und Eisleben. Der Landtag in Magdeburg entscheidet am 11. Dezember über die Kürzungen…” (buehnen-halle.de/produktionen/besetzt-euer-theater)

Montags-Demo gegen Kürzungen bei Bildung und Kunst

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Rund 2000 Menschen haben heute nach Angabe der Mitteldeutschen Zeitung bei dem vierten Protestzug gegen umfangreiche Kürzungen bei Bildung und Kultur teilgenommen. HalleSpektrum berichtet von 2500 bis 3000 Demonstranten.

Bereits im Mai haben ca. 4000 Bürger und Universitätsangehörige auf dem Hallenser Marktplatz versammelt, um Ministerpräsident Haseloff (CDU) vor Ort die Stirn zu bieten. 50 Millionen Euro sollen von der Landesregierung im Hochschulbereich in den nächsten Jahren gestrichen werden. Auch bei den Theatern sollen Millionenbeträge gestrichen werden.

„Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) hat die Bevölkerung von Sachsen-Anhalt bewusst getäuscht. Dafür sollte er exmatrikuliert werden“, so der Sprecher vom Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten, Clemens Wagner. Er sieht sich von den Versprechen der Politiker, von den verheerenden Sparzielen abzurücken, getäuscht.

Während Deutschland einen Leistungsbilanzüberschuss aufweist und im Ausland für zu viele Exporte kritisiert wird, wird das Geld anscheinend nicht vor Ort in Kultur und Bildung investiert. Über die Kürzungspläne in Halle ist an dieser Stelle bereits berichtet worden.

siehe hierzu:

Die besten Geschichten schreibt das Leben

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Halle/S. – Der Staatsanwalt manipuliert Ermittlungsergebnisse und setzt seinen unfähigsten Mann an die Aufklärung eines Todesfalls?! Wer jetzt glaubt im falschen Film zu sein, der sollte einfach die Augen öffnen anstatt wegzuschauen.
Die Krimi-Romane von Stephan Ludwig spielen in Halle/S. und bieten so manch einem Hallenser einen Wiedererkennungseffekt. Der erste Teil seiner Krimi-Serien, “Zorn – Und und Regen”, mit dem Ermittlerduo Zorn und Schröder wird nun im Auftrag des MDR in Halle verfilmt. Ab 2014 wird der Film dann im Fernsehen zu sehen sein.
So lange können wir uns auf die echten Kriminalfälle in Halle konzentrieren.

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Weimarer Impressionen

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Ein Besuch in Weimar bietet viele Einblicke und lässt so einige Assoziationen zu. Die Stadt in der Goethe und Schiller gelebt und gestorben sind ist ein geschichtsträchtiger Ort in Deutschland. Mit der Ausrufung der Weimarer Republik entstand hier am 09.November 1918 erstmals eine parlamentarische Demokratie in Deutschland. Die Wirren und politischen-, wie auch wirtschaftlichen Herausforderungen jener Zeit brachten das vorzeitige Ende dieser Demokratie. Es folgte die Entstehung des Nationalsozialismus „mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933.“ (Wikipedia)

Johann Wolfgang von Goethe hat uns in Weimar auch eine Figur hinterlassen, die eine Wette mit Gott eingegangen ist, um Doktor Heinrich Faust vom rechten Wege abzubringen.

Wie man erkennen kann ist uns auch diese Gestalt erhalten geblieben. Die Politik spielt momentan wieder eine zentrale Rolle für unsere Nation, auch über unsere Grenzen hinaus. Ist es Teufelswerk, wenn CDU und SPD sich in momentanen Koalitionsverhandlungen auf eine Große Koalition einigen werden? Hieße dies zwei Jahre regieren und zwei weitere Jahre schwarz-rote Profilbildung auf Kosten des Fortschritts?

Goethe und Schiller haben uns in diesem Zusammenhang weit mehr hinterlassen, als auf den ersten Blick ersichtlich. In ihren gemeinsamen Texten beschreiben sie die Unfähigkeit einer bestimmten Personengruppe, ausschließlich der Sache zu dienen. In Über den Dilettantismus schreiben sie dass „Unvollkommenheit und „Mittelmäßigkeit“ .. den Dilettanten .. [auszeichnen], weil er „sich auf subjektiven Irrwegen [verliert]“.

„Alle dilettantischen Geburten […] werden nur die Neigung und Abneigung ihres Urhebers ausdrücken.“(Schiller, s.Wikipedia)

Derzeit wird über eine Große Koalition verhandelt. Die Bundestagswahl am 22. September hat gezeigt dass 34,1 % der Wähler Schwarz (CDU) sehen, 34,3 % sehen Rot (SPD 25,7 %; Linke 8,6 %). Rot ist in der Mehrheit (rot-rot-grün = 51,1 % / schwarz-schwarz-grün = 46,9 %) und dennoch finden die zwei roten Parteien nicht zueinander. Worum geht es dann bei der Regierungsbildung, ist eine Große Koalition etwa besser für Deutschland und seine Nachbarn?

Zwei große Koalitionen (1966/ 2005)haben vorgemacht, dass Parlamentarier, die nach eigenem Gewissen und Überzeugung votieren, zu Gunsten der Gehorsamen den Kürzeren ziehen.

„In einer Großen Koalition [gehen] die Einflussoptionen einzelner Parlamentarier und zahlenmäßig schwacher Gruppen deutlich zurück, da sich ihr Verhinderungspotential angesichts der breiten parlamentarischen Mehrheit vermindert. Wenn Regierung und Fraktionsführung bei knappen Mehrheitsverhältnissen um jede Stimme kämpfen müssen, sind die Chancen dissentierender Abgeordneter größer, zumindest eine teilweise Berücksichtigung ihrer Position erreichen zu können.“ (Gast u. Krahenpohl. 2008. In: bpb)

Auch in den 60er Jahren ging es schon ums Geld, die CDU/ CSU konnte sich mit Ludwig Erhard mit der FDP nicht auf einen gemeinsamen Haushaltsausgleich einigen. Die FDP-Minister verließen die Regierung, die CDU drängte den Kanzler zum Rücktritt. Sein Nachfolger Kurt Georg Kiesinger koalierte schließlich mit der SPD. Nach der verlorenen Vertrauensfrage von Kanzler Schröder 2005 wurden verschieden-farbige Koalitionsoptionen ausgeschlossen, so dass es wieder zu einem schwarz-roten Bündnis kommen musste. Schröder durfte das Zepter an Angela Merkel übergeben, die es bis heute fest in der Hand hält.

Weimar liegt in Thüringen, was einen wunderschönen Ausblick auf eine Regierungszusammenarbeit zwischen CDU und SPD bereit hält. „Oh, schauriges Thüringen“ titelt DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe (No. 43).

Die große Koalition in Erfurt existiert seit 2009 und scheint unter Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) immer wieder für ein Skandal gut zu sein. Hier scheint es dass die gegenseitige Blockade durch Personal- oder Parteiinteressen dem Volke dienlicher ist, als gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

DIE ZEIT berichtet: Wirtschaftsminister Machnig (SPD) fühlt sich, zu recht oder nicht sei zunächst einmal dahin gestellt, von der Regierungschefin Lieberknecht (CDU) bei ihrer Genehmigung einer üppigen Pension öffentlich „arglistig getäuscht“. Später setzt er nach und ist „fassungslos“ über die Personalpolitik der Landeschefin. Machnigs SPD-Chef und Theologe Matchie verliert nach dem Auftritt vor der Bundestagswahl öffentliche Aufmerksamkeit zu Gunsten seines Parteifreundes. Kurze Zeit später steckt Wirtschaftsminister Machnig selbst in einer Nebenverdienst-Affäre. Kurze Zeit später hat man hat in Thüringen noch Zeit sich mit weiteren Angelegenheiten zu beschäftigen, jetzt geht es um „den neuen Staatskanzleichef Jürgen Gnauck (CDU)“. Auch hier geht es wieder um Geld, er ist im Rechtssteit um eigene Bezüge und „verklagt gerade seine eigene Behörde“.

„Weil Zwietracht herrscht, wird aus einem Affärchen eine Affäre. Wie lange kann man so weiterregieren? Muss diese Koalition nicht allmählich scheitern?“ (s. Machowecz, In: DIE ZEIT 17.10.13. S.15)

Schauen wir uns mal die zukünftige Sitzverteilung im Parlamentshaus in Berlin an, hier sehen wir zunächst einmal das einstige Weimarer Wohnhaus von Johann Wolfgang von Goethe, der mit Schiller Über den Dilettantismus geschrieben hat.

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Mehr dazu:

Dessau Dancers tanzen in Halle

Das Bild wurde entfernt

Der Beitrag war mit der Produktion nicht abgesprochen und wurde von ihr nicht  gestattet. Einige Angaben seien Falsch.

Meine Antwort: Liebe Produktion, hierzu kann gerne die Kommentarfunktion genutzt werden. Ich beabsichtige in keiner Weise falsche Angaben zu machen. Diese werde ich dann ggf. löschen.

Ich wurde am 23.Oktober 2013 gebeten den Blog mit dem Bild umgehend wieder aus dem Netz zu nehmen. Es sei nicht gestattet Bilder am Set oder vom Set aufzunehmen. Dieses kann nur mit der Genehmigung der Produktion
stattfinden. Genauso ist es nicht gestattet, über Produktionsinterne Dinge etwas zu veröffentlichen.

Es wird darauf hingewiesen dass die Produktion ansonsten die Möglichkeit hat rechtlich vorzugehen.

Meine Antwort: Meine Informationen sind aus alle frei verfügbar aus dem Internet entnommen. Nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion, ich bin gerne bereit unwahre Angaben zu entfernen bzw. richtig zu stellen.

Diese Woche haben die Dreharbeiten der Dessau Dancers in Sachsen-Anhalt begonnen. Drehbuchautor und Regisseur Jan Martin Scharf und Produzentin Janna Velber stammen aus Köln und erzählen die Geschichte vom 18-jährigen Frank und seinen Freunden, die sich 1985 in Dessau dem Breakdance hingeben. Die DDR-Führung betracht die tanzwütigen Jugendlichen mit ihren westlich angehauchten Ambitionen kritisch und versucht sie später für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Hier wird die Geschichte zweier Kulturen filmisch dargestellt. Die Dessauer Breakdance-Szene wird von der Kölner Produzenten Velber (BOOGIEFILM) in Ko-Produktion der SENATOR FILM PRODUKTION, SWR und WDR in Sachsen-Anhalt und Köln abgedreht. Vom 10.10. bis 17.10. finden Drehtage in Halle, Dessau und Umgebung statt.

Die kulturellen Unterschiede zwischen West und Ost scheinen wohl schon in der Produktionsphase deutlich zu werden. Fördermittel der Film- und Medienstiftung NRW mit 500.000 €, der Filmförderungsanstalt (FFA) mit 295.000 €  und 500.000 € der Mitteldeutschen Medien Förderung (MDM) scheinen wohl für dieses Kinofilm-Projekt knapp bemessen zu sein.

Ein Film der voraussichtlich zum 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls im Senator Film Verleih erscheinen soll, zeigt schon in der Produktionsphase wie die Menschen mit knappen Ressourcen aushalten müssen. Es gibt Gerüchte das die Filmcrew Abstriche von einem Drittel ihres Lohns hinnehmen mussten, damit es zum Engagement kommen konnte. Auch bei den Komparsen, ohne die ein solches Filmprojekt nicht durchführbar wäre, zeigte sich bei der Verpflegung einige Enttäuschung. Das zwischen Filmcrew und Komparserie Unterschiede bei Service und Verpflegung gemacht werden, ist durchaus nachvollziehbar und verständlich. Doch wenn das Filmcatering bei einem 11 Stunden Drehtag das Publikum der Dessau Dancers, die teilweise ohne Bezahlung zum Erfolg des Films beitragen, zum Abend mit ein paar Käseschnitten abfertigt und bei Nachfrage der Nachschub dennoch ausbleibt, ist dies bedauerlich. Vielleicht ist man auch davon ausgegangen, dass die Mittagsverpflegung, bestehend aus Nudeln mit ein bisschen Spinat und Käse eingerührt, genügend Grundlage für den Tag geschaffen hat. Welcher Wert den Komparsen beigemessen wird zeigte sich dann auch am folgenden Drehtag, bei dem man mit ein bisschen Gewürz den faden Beigeschmack des Chilis hätte übertünchen können, während sich die Crew mit Nussbraten und Gulasch verpflegt hat. Natürlich stellt man sich auch hier an, wenn die Komparsen von den verboten Früchten naschen möchten.

Bleibt zu beobachten welchen finanziellen Erfolg dieses Filmprojekt den Produzenten und Verleihern bescheren wird.

Vielleicht geht man ja einfach nur davon aus, dass hier sowieso alles gegessen wird, was einem vorgesetzt wird – und eh alles geschluckt wird.

„Die Welt ist das Haus des Starken“

Diese Erkenntnis ist nicht neu, sie stammt von einem bedeutenden Philosophen der europäischen Aufklärung – Denis Diderot. Mit seinen revolutionären und gefährlichen Gedanken geriet er schnell in den Fokus französischer Sicherheitsdienste. Am 5. Oktober 1713 wurde er in der französischen Stadt Langres geboren, im August 1749 in Haft zunächst gebrochen, gestorben im Juli 1784. Zum 300. Geburtstag dieses Visionärs nutzt Mathias Greffrath DIE ZEIT (02.10.2013.; S.19) für ein Portrait.

Die französischen Verhältnisse sind zu Diderots Zeit erdrückend.

Der Vorgänger König Ludwigs, Ludwig XIV, hat durch den Spanischen Erbfolgekrieg und vorherige Kriege zwei Milliarden Livres Schulden hinterlassen, eine Schuldenlast, die „…erst im Jahr 1725 endgültig getilgt war.“ (s. Wikipedia [Ludwig XIV]. Stand: 07.10.13) „[F]ür die Zeit der Minderjährigkeit seines fünf Jahre alten Urenkels Ludwig XV…“ hatte er den Herzog von Orléans „…testamentarisch zum Präsidenten des Regentschaftsrates“ bestimmt. (s.Wikipedia[Phillipe_II_de_Bourbon] Stand: 08.10.13) Um den desaströsen Staatshaushalt zu retten hatte dieser 1715 John Law, Sohn eines schottischen Goldschmieds und Geldverleihers, die Lizenz zur Gründung einer privaten Notenbank erteilt. (s. Wikipedia [Mississippi-Spekulation] Stand: 08.10.13) John Law ist professioneller Glücksspieler und hatte auf der Flucht vor einem Todesurteil gegen ihn in Holland „das Finanzsystem der Bank von Amsterdam“ studiert. (Wikipedia [John Law] Stand: 08.10.13) Sie hatte damals schon Banknoten ausgegeben und dabei auf eine „jederzeit ausreichende Deckung durch Münzen geachtet“. (s. Wikipedia [John Law] Stand: 08.10.13)

1716 gründete Law die Banque Generale und vergab Kredite auf Papiergeldbasis. Die Bank war privat, ihr Kapital jedoch wurde zu drei Vierteln aus – weitgehend wertlosen – Staatsanleihen aufgebracht. Trotz der anfänglichen Unterkapitalisierung gewann sie langsam das Vertrauen der Öffentlichkeit und ihre Noten wurden als Zahlungsmittel akzeptiert, dies besonders infolge der persönlichen Unterstützung seitens des Regenten.“ (Wikipedia [Mississipi-Spekulation] Stand: 08.10.13)

Dank des Regenten Herzog von Orléans konnte Law schließlich die Handelsgesellschaft (Compagnie de la Louisiane ou d´Occident oder Mississipi-Kompanie) für die französischen Kolonien in Amerika gründen, sowie Privilegien und Monopole erwerben. Eine künstliche Angebotsverknappung ließ die Nachfrage nach den Aktien dieser Gesellschaft stark ansteigen, seine Banque Royale druckte immer mehr frisches Papiergeld. Neu geschaffene Aktien konnten somit von interessierten Anlegern erworben werden. (s. Wikipedia [Mississippi-Spekulation] Stand: 08.10.13) „In finanzieller Hinsicht war er damit der Herrscher Frankreichs und gleichzeitig – als Direktor der Mississipi-Kompanie – eines Drittels des nordamerikanischen Kontinents.“ (Wikipedia [John Law] Stand: 08.10.13) Die Kompanie war so stark, dass sie sogar 1919 die Rechte an der königlichen Münze erworben hat. Somit konnte Law „…durch dieses frische Kapital die hohe Staatsverschuldung auffangen…“(Wikipedia [John Law] Stand: 08.10.13)

Billets_banque_royale_1720Quelle: Wikipedia

Doch schon ein Jahr später ging das Vertrauen in wachsende Renditen verloren, die Spekulationsblase platzte und es kam zu einem Banken-Run. Frankreich kehrte zum Münzstandard zurück. (s. Wikipedia [Mississippi-Spekulation] Stand: 08.10.13)

Diderots Schriften beschränkten sich später nicht nur auf Religionskritik, gerne beschrieb er gesellschaftliche Fehlentwicklungen.

Zu den Menschen sagt er „Haben sie erst einmal drohende Blicke gegen die Majestät des Himmels gerichtet, dann werden sie alsbald auf die Herrschaftsverhältnisse auf der Erde schauen.“ (Diderot, nach Greffrath; In: DIE ZEIT) Philosoph Diderot tat dies mit Gewissheit. Die Aussicht auf unbefristete Haft ließ ihn in Gefangenschaft seine „geistige Vermessenheit“ eingestehen und zunächst von weiteren Schriften – unter seinem Namen – absehen.

Als Kind wollte er Priester werden, gerät jedoch in Paris in theologische Grabenkämpfe und wird zum Skeptiker. Er verkehrt in guten Kreisen, lässt nichts anbrennen und „glaubt .. an die Macht der Gedanken“. (Greffrath; In: DIE ZEIT) Aus solchen Kreisen stammen auch Verleger, die ihn schätzen und mit seiner Hilfe eine Enzyklopädie aller Wissenschaften, Künste und Handwerke herausgeben  möchten. Viel Geld wird investiert und plötzlich wird Diderot verhaftet.

„Arbeitsplätze sind in Gefahr, Setzer, Stecher, Drucker…Das Argument zieht immer, im November 1749 kommt Diderot frei.“ (Greffrath; In: DIE ZEIT)

Rousseau und Voltaire beteiligen sich ebenfalls an der Erstellung des besagten Lexikons. Die Encyclopédie gefällt den Religiösen jedoch nicht. Ein erstes Verbot wird gelockert, nach einem Attentatsversuch 1757 auf König Ludwig XV. und anschließend verschärfter Repression setzt der Papst das Lexikon auf den Index.

Der Einfluss der Kirche auf die französische Politik war unbestritten. Premierminister war seit der Salbung des Königs in Reims 1722 Kardinal Dubois, zuvor Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten. Begonnen hatte Kardinal Dubois Karriere als Berater des Herzogs von Villeroys. Dieser war Gouverneur und testamentarisch bestimmter Leumund des minderjährigen Ludwig XV. (s. Wikipedia.[Ludwig_XV.] Stand: 07.10.13) 1723 ist Ludwig XV. mit dem 13. Lebensjahr nach geltendem Königsrecht volljährig und bestätigt den Kardinal in seinem Amt als Premierminister. (s. Wikipedia.[Ludwig_XV.] Stand: 07.10.13)

Voltaire gibt nach dem Verbot der Enzyklopädie auf, Diderot lässt sich den Mund jedoch nicht verbieten.

Von der Macht des Transzendenten hält Diderot wenig, er ist eher naturwissenschaftlich veranlagt. Eine Einladung seines Financiers, Katharina II. nach St. Petersburg, nimmt er an und philosophiert mit ihr …

„…macht ihr Vorschläge zur Abschaffung der Despotie. Aber dann sagt sie: „Monsieur Diderot, mit all Ihren großen Prinzipien, die ich sehr gut verstehe, kann man schöne Bücher, aber nur schlechte praktische Arbeit machen.“ Diderots Konsequenz: Er wird zum Ghostwriter für einen der größten Bestseller des 18. Jahrhunderts, die Geschichte der beiden Indien des Abbé Raynal. [Hervorhebung im Original, M.M.] Das Buch ist eine radikale Kritik nicht nur des kolonialen Terrors, sondern auch der Fürstenmacht, Ausbeutung und Herrschaft.“ (Greffrath; In: DIE ZEIT)

Diderot kritisiert die Mächtigen und macht das Volk darauf aufmerksam dass Unterdrücker nur erfolgreich sein können, wenn die Menschen zu schwach sind, um sich zu wehren.

„Es gibt die unmenschliche Gewalt, die unterdrückt, und die schläfrige und schwache Gewalt, die unterdrücken lässt.“ (Diderot, nach Greffrath; In: DIE ZEIT)

Kulturtipp

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Die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt macht sich für die kulturelle und religiöse Bildung stark. Auch die Stadt Halle, mit ihr u.a. die Stadtbibliothek, fördern die Festivität zum Jubiläum der Eröffnung der Synagoge eines auserwählten Volkes (5.Buch Moses, Deuteronomium 14:2) in Halle/S. Zu den Förderern reihen sich die MLU Halle-Wittenberg, ihr Zentrum für USA-Studien und das US-Generalkonsulat Leipzig ein. Bei solch renommierten Förderern wird dem Interessierten sicher viel geboten.

“Revolution der Künstler”

Anlässig des heute erschienen ZEIT-Artikels über “Kartellabsprachen, Dumping-Gagen, Ausbeutung – und nur wer sich fügt, hat Erfolg?” sollte der Bewegung der österreichischen Mezzosopranistin Elisabeth Kulman eine Plattform geboten und ihr der Rücken gestärkt werden. Denn “sie wisse, wie schnell man die ‘Hacke im Kreuz’ habe.”

Den Anstoß ihrer Mission brachte die Facebook-Seite Die traurigsten & unverschämtesten Künstler-Gagen & Auditionerlebnisse von Musicalproduzent und Lehrer Johannes Schatz aus Hagen.

Kulman traut sich und solidarisiert sich namentlich “mit dem ganzen Gewicht ihrer Identität und ihres Renommees” mit der Seite und macht in der Öffentlichkeit auf die prekären Arbeitsbedingungen und “kannibalistische Zustände” unserer Zeit aufmerksam. “Erfolg hat der Willige, der Fügsame, derjenige, der funktioniert.”

Jetzt berichtet auch die ZEIT auf Seite 71 f.:

“Geschichten, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Über Vorsingen, die in letzter Sekunde abgesagt werden – per SMS und selbstverständlich nach erfolgter langer, kostspieliger Anreise; über Dumping-Gagen von 1000 Euro monatlich an großen Häusern für die Kernpartien eines Fachs; über Engagements, die für zwei Proben und ein Konzert sagenhafte 75 Euro bringen; über ungeheizte Probebühnen, unmoralische Angebote, nicht eingehaltene Pausenzeiten und Altersarmut. Von den gesundheitlichen Risiken vor allem des Sängerstandes, von der zwischenmenschlichen Ausbeutung, die eine Ansammlung neurotischer Persönlichkeiten wie das Theater nun einmal mit sich bringt, von skrupellosen Agenten und Kartellabsprachen unter Veranstaltern ganz zu schweigen. Und immer gibt es jemanden, besonders in der freien Szene, der es für noch weniger Geld und zu noch miserableren Bedingungen macht…” (s. DIE ZEIT, 26.09.13. S.71f.)

So, und jetzt muss ich zum Dreh einer ARD-Fernsehproduktion. Über die Konditionen will ich mich lieber nicht äußern, schließlich bin ich froh, dort überhaupt dabei sein zu können…

Link-Tipp:

Musiker, die eine Geldspritze benötigen, finden vielleicht einen Investor auf der Plattform Royalty Exchange, wie die New York Times berichtet.

Frequenzpolitik: Wer darf hier funken? (DIE ZEIT 26.09.13)