Obsoleszenz ist obsolet

Weihnachten ist vorüber, die Weihnachtsgans hat uns gemundet und nun haben wir die Bescherung. Doch wie lange hält die Freude an? Für die Wirtschaft ist das Weihnachtsgeschäft vorüber, doch das nächste kommt bald wieder. Damit auch dann wieder genügend Bedarf an neuen Geräten und Geschenken besteht, nimmt die Lebensdauer der Produkte immer weiter ab. Neuanschaffung resultiert dann nicht aus dem Bedürfnis nach Innovation, sondern der verkürzten Lebensdauer der Geräte. Eine Glühlampe leuchtet in Kalifornien schon über 110 Jahre.

“Das amerikanische US-Werbemagazin Printers’ Ink bringt es 1928 auf den Punkt: “Ein Artikel, der nicht verschleißt, ist eine Tragödie fürs Geschäft.” Die Konsumenten sollen neue Produkte kaufen, in immer kürzeren Abständen, so lautet schon damals die Botschaft – eine grundlegende Voraussetzung für die Massenproduktion. ” (Liebrich. In: SZ. 27.04.13)

Der künstliche Veralterung eines Produktes, Obsoleszenz, will die sozialistische Regierung in Frankreich nun bestrafen. Dann hat auch der Beschenkte länger Spaß an einem Weihnachtsgeschenk und unserer Umwelt wird gleichzeitig noch etwas gutes getan.

Folgend wird ein Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 23.10.14 zitiert:

“Vorzeitiges Altern wird bestraft

Verbraucherschutz

Frankreich will gesetzlich gegen eingebaute Fehler in Elektrogeräten vorgehen

Paris. Wenn ein Toaster einen Monat nach Ablauf der Garantie kaputtgeht – könnte das vielleicht ein speziell eingebauter Fehler sein? In Frankreich soll das absichtliche vorschnelle Altern von Elektrogeräten künftig als Betrug bestraft werden. Ein entsprechendes Gesetz hat bereits die erste Hürde im französischen Parlament genommen. Verbraucherschützer liegt das Thema schon lange am Herzen, auch in Deutschland wird darüber immer wieder diskutiert.

Im Fachjargon wird die künstliche Alterung als “Obsoleszenz” bezeichnet. Damit ist gemeint, dass in Produkten bewusst Bestandteile verarbeitet werden, die vorzeitig altern oder geringere Qualität haben. Das Gerät muss dann früher ersetzt werden. Als Beispiel gelten Geräte, bei denen ein Akku nicht austauschbar ist. Die Hersteller weisen die Vorwürfe jedoch zurück.

Bis zu zwei Jahre Haft

In Frankreich sollen nachgewiesene Fälle künftig als Betrug mit bis zu zwei Jahren Haft und 300 000 Euro Geldstrafe geahndet werden können. Dazu muss laut Gesetz ein Produkt bewusst so gebaut werden, dass mit dem Ziel neuen Umsatzes die Lebensdauer künstlich verkürzt wird.

Die angestrebte Regelung ist Teil eines Gesetzes zum Energiewandel, mit dem Frankreich seinen nationalen Energiebedarf halbieren will. (dpa)” (Kölner Stadtanzeiger. 23.10.2014)

Weblinks:

Gans schön ekelig

Frohe Weihnachten an alle! Der Heilige Abend lässt uns besinnlich zusammenkommen und über christliche Wertvorstellungen nachdenken. Dazu freuen sich die Fleischfresser unter uns auch auf einen Festtagsbraten. Gerne wird an diesen Tagen eine Weihnachts-Gans aufgetischt und dem Beginn der Christenheit gedacht. Eine schöne Bescherung folgt meist nach dem großen Schmaus, Geschenke inklusive.

Daunenjacken und Daunendecken erfreuen sich in der kalten Jahreszeit großer Beliebtheit, doch wie gelangen diese in unsere Textilien?

Aus Polen oder Ungarn beispielsweise – aus denen viele Daunen importiert werden – seien durchaus noch Farmen bekannt, in denen Gänse oder Enten lebend gerupft werden, sagte Thomas Müller von der Stiftung Warentest im Interview mit DRadio Wissen.“ (s. DRadio Wissen)

Verbote nutzen da wohl wenig, wenn der Profit lockt. Der Spiegel titelt im November zu diesem Thema  „Lukrativ wie Drogenhandel“.

Populäre (Outdoor-) Marken werben mit der Rückverfolgbarkeit ihrer Federfüllungen, im Praxistext stellt sich dies jedoch als bloßes Lippenbekenntnis und Werbeversprechen dar.

„Auf den Höfen südöstlich von Budapest werden etwa beim sogenannten Pusztarupf Hunderttausende Tiere vier- bis fünfmal in ihrem kurzen Leben gerupft. Für die Züchter ist das lukrativ. Denn die Qualität der Federn steigt mit jedem Rupf, älteren Tieren wachsen bessere, sprich dichtere Daunen.“ (Salden. In: Der Spiegel. Nr. 47. 2014. S. 87)

Daher startet die Tierschutzorganisation Vier Pfoten eine Kampagne für Tierleidfreie Daunen bei Outdoor-Marken. Der Verbraucher soll schließlich nicht die Katze im Sack kaufen.

Weiterhin Frohe Weihnachten und eine schöne Bescherung.

Weblinks:

 

“Das Netz wächst weiter”

image

Die Fernbusse machen der Bahn weiter Konkurrenz und weiten das Streckennetz aus. Nach dem Ausstieg des ADAC berichtet nun Postbus-Geschäftsführer Joachim Wessels über seine weiteren Pläne. Im Interview mit PREMIUM POST (Ausgabe 8.2014 S.3) sagt Wessels dass sich der Postbus weiterhin als Alternative zu seinen Wettbewerbern etablieren will. 2015 soll sich so das Netz verdoppeln. “Darüber hinaus haben wir mit iDBus einen Partner für Reisen ins westeuropäische Ausland gefunden. Zusammen können wir jetzt zum Beispiel über Köln Fahrten zwischen vielen deutschen Städten und Paris anbieten.”
Wir sind gespannt, denn bekanntlich schläft die Konkurrenz nicht. Eine Busfahrt ins europäische Ausland bietet neben den Eurolines von Deutschland mittlerweile auch Megabus an.

image

Weblinks:

Ein gutes Weihnachtsgeschäft

Eine gemütliche Fahrt mit der VRS zum Kölner Weihnachtsmarkt steigert die Vorfreude auf mehr…

image

Mehr Besucher kann der Kölner Weihnachtsmarkt wohl nicht vertragen…

image

Gebäck, Glühwein und allerlei mehr oder weniger nützliche Dinge werden auf der Domplatte (feil-) geboten.

image

Mehr Konsum ist auf den Weihnachtsmärktenin in der Innenstadt am Alter Markt, Heumarkt, Neumarkt, Rheinauhafen, Rudolfplatz und und möglich…
Mehr Weihnachten geht an diesem 4. Adventssonntag in Köln nicht…

image
Kölner Klagemauer

Mehr Christlichkeit, Nächstenliebe und Friedlichkeit kann man zu Weihnachten nicht erwarten – oder?

Wo ist der Drache?

Eine Wanderung im Siebengebirge bei Bonn sollte das Geheimnis des versteckten Drachens lüften. Vorbei an der Nibelungenhalle hinauf zum Drachenfels hat er sich noch nicht zeigen wollen.

image

Der Aufstieg zum Drachenfels ist gemütlich zu bewältigen. Wer möchte kann auch die Drachenfelsbahn von Königswinter aus nehmen. Oben angekommen lädt das Cafe unmittelbar unterhalb der Drachenburg zum Verweilen ein. Sollte der Drache noch immer nicht gesichtet worden sein, so kann man zumindest einen schönen Blick auf das Siebengebirge, Bonn und den Rhein genießen.

image

Der gemeine Hausdrache, der sich vielleicht mittlerweile gezeigt hat, sollte nun einigermaßen besänftigt und gestärkt sein, um den Weg zum Ölberg fortsetzen zu können. Doch nach diesem Untier wird ja nicht gesucht. Am Drachenfels eröffnet sich plötzlich die Möglichkeit für Bares Siegfrieds Opfer aus seiner Höhle zu locken. Für 1 € soll der Drache erscheinen und seine Version von Siegfrieds Heldensage erzählen.

image

Der Euro ist schnell gezückt, Neugierde und Bildungshunger haben gesiegt. Doch leider bleibt einem die Enttäuschung nicht erspart, der Drache regt sich nicht und schließlich sind wir so schlau wie zuvor. Die Suche geht weiter…

image

Der Große Ölberg, höchster Berg mit 460 m hier, ist genauso problemlos zu erklimmen. Da Siegfried aus der germanischen Nibelungensage den Drachen schon getötet hat, wurde er hier leider nicht wieder gesichtet.
Und doch bleibt das Gefühl, der Drache ist ganz in der Nähe und allgegenwärtig.

Buchtipp:

Noch kein Weihnachtsgeschenk ?

image

Halleluja, in Köln am Rudolfplatz findet auch der Unentschlossene die Möglichkeit sich einer drohenden Blamage zum Frohen Fest entledigen zu können. Der Verlegenheit eines fehlenden Geschenkes kann hier gut vorgebeugt werden.

image

Wer genügend Arsch in der Hose hat kauft seinen Liebsten hier das richtige Accessoire, nett verpackt. Man braucht nur den  zukünftigen Segen vom Ständer zu nehmen und am Heiligen Abend das Geheimnis zu lüften…

image
Lutscher

Wer profitiert?

Globalisierung und freier Handel machen es möglich, exotische Südfrüchte zur Vorweihnachtszeit bei uns an der Ladentheke. Das ZDF hat kürzlich eine Dokumentation über die reichsten Deutschen, die öffentlichkeitsscheuen Aldi-Brüder, gezeigt. So reich, dass sie laut Doku einst eine Bank vor dem Bankrott retten konnten.

Aldi-Markt
Aldi Markt

Der Preis ist klein und Qualität wird hier anscheinend groß geschrieben. Das zieht Kunden an. Am Obststand kann der Kunde Granatäpfel zum unschlagbar günstigen Preis von 1,15 Euro kaufen. Der Blick auf das Herkunftsland wirft jedoch Fragen auf. Ursprung: Israel.

Wo genau kommen diese exotischen Früchte aus Israel her und welche Landesgrenze wird darunter verstanden? Das völkerrechtlich akzeptierte Israel innerhalb der Grenzen von 1967 oder das expansionistische zionistische System der Nachfolgejahre?

Granatäpfel in der Auslage bei Aldi
Granatäpfel in der Auslage bei Aldi

Während des letzten Gaza-Krieges ist über einen angeblichen Boycott israelischer Produkte in Europa berichtet worden. Der Krieg gab Anlass gegeben, über die Politik der angeblich einzigen Demokratie in Nahost zu berichten. Dabei machte die internationale BDS-Bewegung auf die Verhältnisse palästinensischer Bauern und Landwirte unter israelischer Besatzung aufmerksam.

„Palestinian farmers face the brunt of Israel’s land confiscations, demolitions and water theft.” – (See more at: http://www.bdsmovement.net/activecamps/farming-injustice#sthash.D0k7v49a.dpuf

Expansion der eigenen Staatsgrenze durch eine Teilungsmauer, internationale Kritik zum stetig andauernden Siedlungsbau, Kriegsverbrechen und Ignoranz gegenüber Völkerrecht steckt man einfach weg. So haben nach dem UN-Teilungsplan von 1947, den Osloer Abkommen der 90 Jahre und unzähligen Verhandlungen zu den Staatsgrenzen zweier Völker bisher lediglich weitere Expansion auf Seiten Israels zur Folge gehabt. Lobbyismus, Wirtschaftsinteressen- und militärische Macht dominieren westliche Rechts- und Moralauffassungen und setzen uns Scheuklappen auf.

Wenn wir diese Politik unterstützen wollen brauchen wir nur weiter zu machen, wie bisher. Die Aussicht auf ein Schnäppchen im Supermarkt dämpft schnell unser Moralempfinden und Neugierde.

Doch will man die genaue Herkunft dieser Granatäpfel bei Aldi ermitteln, stößt man nur auf weitere Fragen. Man sollte meinen die Produktverpackung liefere nähere Informationen zur genauen Herkunft. Ein Besuch auf der angegebenen Website auf www.terra-export.com kommt zu folgendem Ergebnis:

„This account has been suspended. Either the domain has been overused, or the reseller ran out of resources.”    (Stand: 16.12.14)

Tippt man bei Google die Anschrift der vermeintlichen Handelsadresse ein, so liefert das ebenfalls keine Ergebnisse. Auch Google Maps kennt die Adresse nicht. Keine Ressourcen für einen Webauftritt, kann das sein? Eine Domainabfrage liefert folgendes Ergebnis:

Registrant Name: MICHAL HUBASHI MICHAL HUBASHI
Registrant Organization:
Registrant Street: HARUGEY MALCHUT 22
Registrant City: TEL AVIV
Registrant State/Province:
Registrant Postal Code: 69714
Registrant Country: IL

Das Feld Organistion bleibt leer, die Region ebenfalls. Hat man etwas zu verbergen? Worauf man bei der Suche jedoch fündig wird ist die Seite namens whoprofits.org. Diese Seite veröffentlicht die Wirtschaftsbeziehungen und –Verhältnisse israelisch besetzter Gebiete zum Weltmarkt. Der Report: „Made in Israel: Agricultural export from occupied territories” listet die Händleradresse auf.

“Who Profits’ report concerns the major Israeli agricultural export companies presently operating in occupied territories. The report demonstrates the severe implications of an Israeli-only agriculture in occupied Palestinian and Syrian lands.” (whoprofits.org. Stand. 17.12.14)

whoprofits-S.60
Auflistung im Report von whoprofits.org

Verpackungen und Firmenlabels dieses Exportbetriebes im besetzten Jordantal gesichtet. Es verhärtet sich also der Verdacht, dass der Ursprung dieser Früchte nicht Israel im völkerrechtlichen Sinne ist. Um sicher zu gehen, müsste man bei Aldi nachfragen. Doch was interessiert es uns, wenn wir ein gutes Geschäft machen können.

Weblinks:

Piketty -Vorlesung in Berlin

Am 07. November hat Thomas Pikkety eine Vorlesung zu seinem Buch “Kapital im 21. Jahrhundert” gehalten. Anschließend wurden seine Aussagen von Philosophen und Politikwissenschaftlern diskutiert. Die Veranstalter “Blätter für deutsche und internationale Politik” stellen die Vorlesung als Video-Stream auf ihrer Webseite zur Verfügung.

Weblinks:

Jobcenter Halle – Täuschung mit System

MZ-Bericht vom 11.12.14 über das Jobcenter-Halle
MZ-Bericht vom 11.12.14 über das Jobcenter-Halle

Weblinks:

Orient im Umbruch

Buchcover "Orient im Umbruch"
Buchcover “Orient im Umbruch”

Der Kulturhistoriker und Mittelost-Kenner Klaus Gallas feiert heute seinen Geburtstag und ist zudem Herausgeber des jüngst im Mitteldeutschen Verlag erschienen Buches „Orient im Umbruch”. Der Arabische Frühling und seine Folgen“. Nach seiner Buchvorstellung Mitte November in Halle bestätigt sich ein offener Umgang mit dem z.T. sensiblen Thema des Nahost-Konfliktes und Interessen der jeweiliger Akteure in dieser heiß umkämpften Region.

Das Buch besteht aus Beiträgen zahlreicher namhafter Autoren aus Wissenschaft und Journalismus und bietet einen Überblick über die jüngste Historie und politische Lage im Orient. Dabei wird ein vertiefter Blick über die gängige Mainstream-Berichterstattung hinaus geboten. So spricht der ehemalige Leiter des ZDF-Auslandsbüro in Iran, Ulrich Tilgner, über die „Politik der Scheinheiligkeit“ in Afghanistan. Der ehemalige Botschafter in Bagdad, Kairo und Teheran Bernd Erbel schildert die „falsche Wahrnehmung“ auf den Iran. Überraschend offen und mutig spricht der ehemalische SZ-Korrespondent Heiko Flottau über „Zeiten im Wandel – Israels Anspruch auf eine ethnische Demokratie“.  So kann sich der Leser ein erweitertes Bild über die Wurzeln des Nahost-Konfliktes machen. Der Beitrag kann auch zum Beispiel ergänzend zur Publikation „Palestine, Peace not Apartheid“  des ehemaligen US-Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers  Jimmy Carter gelesen werden.

Muriel Asseburg, u.a. Wissenschaftlerin des Forschungsinstitut SWP der Bundesregierung, hat selbst in der Levante gelebt. Nachdem sie im Februar in Halle selbst über die syrische Tragödie gesprochen hat, erscheint hier ihr Beitrag zum selben Thema. Interessant, neben allen anderen Beiträgen, ist auch die Sicht auf „Russland und der Arabische Frühling“. So erfährt man hier vom Schuldenerlass Russlands an Libyen. Die Altschulden von $4,5 Milliarden  an die Sowjetunion wurden Gaddafi erlassen und resultierten mit dem Aufleben der Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder. Nach dem Erlass des UN-Mandats im März 2011 zum Schutz der libyischen Bevölkerung sieht sich Russland nach einem resultierenden Regimesturz betrogen.

„Libyen gilt als weiteres Beispiel, wie der Westen russische Interessen ignoriert – nach Kosovo und dem Irak…Russlands strikte Ablehnung jeglicher Form von externer Einmischung in den inner-syrischen Machtkampf – sei es durch militärische Intervention, Waffenembargo oder bloß durch die Verurteilung der syrischen Führung wegen Menschenrechtsverletzungen – hat in Libyen mit ihren Ursprung. Nach dem Machtwechsel in Libyen spielte Russland als politische Kraft keine Rolle mehr und musste empfindliche wirtschaftliche Einbußen hinnehmen…So wurde der Vertrag zur Ölförderung mit dem russischen Konzern Tatneft suspendiert. Russlands Führung und Firmen bemühten sich seitdem, alte Verträge wieder aufzunehmen und neue abzuschließen. Bislang befinden sich die meisten Versuche aber erst im Gesprächs-Stadium. Da Moskau zudem sein wichtigstes Fauspfand – die noch aus Sowjetzeiten stammenden Schulden – bereits aus der Hand gegeben hat, ist seine Verhandlungsposition schwach.“  (Klein, Margaretej.2014. In: Orient im Umbruch. S.149)

Weblinks: